Freitag, 5. Juni 2026

Tag 16

Montélimar - Tournon-sur-Rhône

96km 381HM

Unsere Unterkunft heisst „Urban Jungle“ und ist eigentlich von der Idee und den Farben schön gestaltet, die Skizzen des Innenarchitekten hängen noch an der Wand. Darauf sind viele Pflanzen zu sehen in dem mit Naturtönen gestalteten Raum. Aber die Idee hält auch hier meist der Realität nicht stand. Die Pflanzen müssten halt auch gegossen und gepflegt werden und so herrscht nicht mehr üppiges Grün sonder grosse Trockenheit in den Blumentöpfen. Dafür zeigt sich Montélimar heute wieder von der freundlichen und trockenen Seite und wir freuen uns, dass die Räder noch brav im Eingang stehen. 

Wir stellen uns auf einen lockeren Tag ein; rund 80km entlang des Rhône-Radwegs bis Tournon-sur-Rhône ist ideal für Senioren wie wir. Aber schon nach einer Viertelstunde schwant mir Böses. Ich sehe die Brückenbögen der Rochemaure Himalaya-Brücke, die mir schon vor drei Jahren, damals aber von der anderen Seite hohen Puls verursacht hat. Und während Remo im nu ans andere Ufer fährt, schiebe ich das Velo über die 330m lange, schwingende Brücke. Der Seitenwind ist auch nicht sehr hilfreich mich zu entspannen. Immerhin gibt es beim mittleren Pfeiler die Möglichkeit für eine Verschnaufpause. 

Schnell merken wir, dass Mistral heute keinen freien Tag einzieht sondern uns wieder voll entgegen bläst. Bei Le Pouzin führt eine Autobrücke über die Rhone. Ebenfalls nicht lustig, denn der Radweg ist ein winzig schmaler Streifen zwischen Streben und Geländer. Nach Le Pouzin fällt uns erstmals das „Deviation“ Schild auf.  Ein Fahrradsteg ist wegen Bauarbeiten gesperrt. Heute wollen wir alles richtig machen und fahren schön brav den vielen Umleitungsschildern nach. Und immer weiter entfernen wir uns von unserer Route bis hinunter nach Livron-sur-Drôme, dort über die La Drôme und alles wieder zurück zur Rhône. Diese Umleitung mit 12 Kilometer ist die längste die wir bisher mit dem Velo zu fahren hatten. Hätten wir das gewusst, wären wir sicher den Fahrradsteg inspizieren gegangen. 
Den ersten Platz am Waldrand für die Mittagspause schlagen wir rasch wieder aus. Die Stechmücken sind im Standby und wir ziehen rasch weiter. Auf einem nicht mehr befahrenen Damm lassen wir uns nieder, dem Mistral etwas ausgesetzt, dafür mückenfrei. 

In Frankreich scheint heute Sporttag zu sein, immer wieder treffen wir auf Schulklassen beim gemeinsamem Velofahren - man erkennt sie von Weitem an ihren gelben Westen oder es wird immer mal wieder auf dem Weg um die Wette gerannt oder gespielt.
 
Je nördlicher wir kommen, umso häufiger gibt es grosse Rastplätze für Fahrradfahrer. Mit Toiletten, Lade- und Reparaturstationen. Man kann nur erahnen, was hier in der Hauptsaison los ist. Wir beobachten wie grosse Flussfahrt-Schiffe die Rhône befahren. Die letzten Kilometer fahren wir auf einem Damm Richtung Tournon-sur-Rhône. Links die Rhône und rechts ein kleiner Bach und plötzlich entdecken wir im Bach ein weisses Nutria, das gerade sein Zvieri nimmt. Offenbar gibt es ganz selten weisse Exemplare dieser putzigen Nager. 
Tournon-sur-Rhône ist eine lebhafte Stadt mitten im Weinbaugebiet und es gefällt uns auf anhieb. Auch hier laufen wir auf der Strasse gleich unserer Gastgeberin Sandra in die Arme. Irgendwie sehen wir immer aus, als würden wir eine Unterkunft suchen. Sandra betreibt ein kleines Hotel und hat sich für Velofahrer eingerichtet. Hinter ihrem Empfang gibt es ein paar Plätze für Velos und ein Sammeslurium an Gegenständen, überhaupt ist alles etwas chaotisch. Unser Zimmer heute ist natürlich wieder im obersten, dem dritten Stock. Während Sandra auch eine Tasche schleppt, textet sie uns mit allen wichtigen Informationen ein, so dass wir im dritten Stock bereits über alles Bescheid wissen. Wir bekommen das Zimmer „Pauline“ und es ist eines der schönsten Zimmer bis jetzt auf der Tour. Wunderbar renoviert und nicht nur Bricolage.  

In unserer Strasse gibt es viele Geschäfte wo Handwerkliches hergestellt wird. Wie Goldschmied, Lederverarbeitung, Schneiderei, Polsterei etc.  Wirklich sehr schön hier. 

Wir essen in der Nähe in einem italienischen Restaurant und wählen super feine Ravioli und natürlich einen Wein von hier. 

Ausgetrockneter Regenwald

Mirage

Rochemaure-Brücke


Besuch beim Bäcker

Blick in die Backstube

Umleitung

immer den Schildern nach

endlich - nach 12 Kilometern

Umeleitung

mach mal Pause

immer wieder Brücken

Radweg

ein schneeweisses Nutria

Ziel erreicht