Dienstag, 26. Mai 26

Tag 6

Saluzzo - Ceva

97km 863HM

Ein wunderbarer Morgen mit Blick auf den Monviso bietet sich uns vom 5. Stock. Der Monviso ist mit seinen 3‘841m doch ein ordentlicher Berg und dort entspringt auch der Fluss Po, den wir auf unseren Reisen schon viele Kilometer begleitet haben. Die erste Morgenübung heute ist das Hochtragen der E-Bikes vom Keller ans Tageslicht. Mit vereinten Kräften schaffen wir die steilen 28 Stufen. Draussen ist es bereits um 9 Uhr 26 Grad heiss und wir machen uns auf den Weg.

Seit ein paar Tagen sehen wir auf unserer Route in westlicher Richtung die italienischen Alpen und heute verlassen wir auch langsam die weite Ebene und haben den einen oder anderen Hügel auf dem Programm. Mit vollem Akku ist das aber auch bei den heissen Temperaturen kein Problem. Bei Remos Schutzblech hinten schleift wieder die Befestigungsschraube am Pneu, diese hatte schon früher einmal Probleme gemacht. Um das Hinterrad nicht ausbauen zu müssen, behebt er mit Rohrpumpenzange, Klebband und einem Ästchen vorerst das Problem. In einer Kastanienplantage finden wir ein gemütliches und kühles Plätzchen und die mitgebrachten Campingstühle verhelfen zu einer erholsamen Pause, ja und für die, die es wissen wollen, es gab das Menue 1…

Ebenfalls auf unserer heutigen Route liegt das Städtchen Mondoví. Es liegt hoch oben auf einem Hügel und es mutet sich an wie in der Toscana. Ein kurzer Boxenstopp in einer Bar und weiter gehts. In Vicoforte, einem Ort halb so gross wie Oensingen stehen wir vor einer Kirche, die einer Hauptstadt würdig wäre. Die Basilika Santuario die Vicoforte ist eine Wallfahrtskirche und hat die grösste elliptische Kuppel der Welt (75m hoch mit einem Durchmesser von 35m).

Unser Tagesziel ist Ceva, einem eher unscheinbaren Ort. Die Zufahrt verläuft viele Kilometer durch waldiges Gebiet entlang des Flusses Tanaro. Remo fährt hinter mir und macht sich Sorgen, weil ich unbekümmert; da nicht wahrgenommen über die Brombeeräste fahre, die offenbar immer mal wieder von der Seite in die teils ruppige Piste wachsen. Im Ort angekommen irren wir etwas umher, weil wir die gesuchte Adresse einfach nicht finden können. Und plötzlich steht Remo mit einem platten Hinterreifen da. Na bravo! Marco, unser Vermieter lotst mich dann zur Unterkunft in einer Seitengasse. Ich deponiere mein Gepäck und fahre zurück und übernehme die Sackoschen von Remo. Marco empfiehlt uns den Besuch des „Bici“ Ladens fast gegenüber unserer Unterkunft, aber ein kurzer Blick in den Shop reicht aus, um den Schaden lieber selber beheben zu wollen. Man muss noch erwähnen, unsere Unterkunft heisst „Il Turista a Pedali“ und widmet sich in allem was irgendwie an der Wand hängt oder herumsteht dem Radfahren. Marco ist ein Freak sozusagen und war in jüngeren Jahren wohl einmal ein ganz wilder Gümmeler. Es gibt im Haus einen kleinen Kellerraum wo die Fahrräder untergestellt werden könnten, aber höchstenfalls ein Rennrad, aber alles was einen breiteren Lenker hat geht dort nicht durch das enge, steile Nadelöhr. 
Remo ist zum Glück geübt im Umgang mit defekten Pneus und in der Wohnung untersuchen wir den Schlauch und man glaubt es kaum,  genau einer dieser Brombeer-Dornen hat den Weg durch den „unkaputtbaren“ Mantel gefunden. Während Remo den mitgebrachten Ersatzschlauch einbaut, gehe ich zum Bici-Laden um gleich Nachschub zu besorgen. Wenn der Mantel nicht mal einem Dorn entgegen hält, kann das noch lustig werden auf unserer Tour. Im „Laden“ fallen mir fast die Augen aus dem Kopf. Links und rechts erheben sich Berge von Velos, alle auf riesigen Haufen und nur ein kleiner Gang von etwa einem halben Meter ist frei um an die „Theke“ zu kommen. Diese ist komplett zugemüllt, nicht unordentlich von letzter Woche, nein, Berge von Material das bestimmt schon Jahre dort liegt. Zum Glück ist noch ein Kunde vor mir und ich kann die Szenerie auf mich wirken lassen. Der junge Typ hat tatsächlich passende Schläuche auf Lager und der Geschäftsmann strahlt, als ich auf eine Quittung verzichte. Und da das Hinterrad nun grad schon mal ausgebaut ist, kann das Problem mit der losen Schraube auch gerade behoben werden. Zumindest hat der Dorn das richtige Rad getroffen. 

Da Ceva nur klein ist und wir bei der Ankunft ausser einer kleinen Bar und dem heruntergekommenen Bici-Laden nicht viel Aufregendes gesehen haben, stellen wir uns auf ein einfaches Nachtessen ein. Aber oha, die Altstadt ist auch hier sehr gepflegt und hübsch. In der winzigen Osteria Bislacca sind wir heute die einzigen Gäste. Aber tut der Gastfreundschaft von der Wirtin keinen Abruch. Sie bekocht und bewirtet uns mit viel Herz und Humor. Das Essen schmeckt vorzüglich und der Tag endet trotz den heutigen Widrigkeiten wunderbar.

im Verlies

Fasson Rinder, kommen schon muskelbepackt zur Welt

fast wie im Südtirol

ohne Worte

warum 4 Räder, wenn es mit 3 auch geht

Mondovî in Sicht

müde

Mondovî

Basilika in Vicoforte

Vicoforte

oh nein!

Bici Laden

Il Turista al Pedali