Donnerstag, 4. Juni 2026
Tag 15
Carpentras - Montélimar
92km 217HM
Der Wetterbericht meldet nach dem Mittag Regen im Norden. Wir möchten das 90 Kilometer entfernte Montélimar trocken erreichen, das heisst früher aufbrechen als sonst. Während Remo Gipfeli beim Bäcker holt, schustere ich noch am Bericht von gestern rum. In der Wohnung gibts mitgebrachten Nescafé und Buttergipfel, die ihrem Namen auch gerecht werden. Nach dem kurzen Zmorge heisst es rasch zusammen räumen und mit dem ganzen Bagage unfallfrei die Wendeltreppe hinunter steigen. Ich stelle mir vor, wie Gäste mit den grossen und schweren Schalenkoffern diese Treppe meistern. Fast pünktlich um acht Uhr machen wir uns auf den Weg hinaus aus Carpentras.
So wie wir gestern direkt auf dem Bahntrassée reingefahren sind, geht es heute weiter auf wunderbaren Strecken durch schöne Landschaften. Das Gelände ist flach, der Untergrund perfekt, die Navigation pipieinfach und auch Mistral hat heute frei. So sausen wir durch die Gegend und haben trotz dem ordentlichen Tempo Zeit uns umzuschauen und zu geniessen. Die vor uns liegenden Wolken werden immer dunkler und die Schwalben fliegen tief um unsere Köpfe.
Das schöne Städtchen Mondragon lassen wir links liegen und in Bourg-Saint-Andéol überqueren wir zum ersten Mal die Rhône. Der Weg führt oft durch einen schattigen, grünen Tunnel und es kommt einem fast vor wie in der Masoala-Halle mit dem Gezwitscher der vielen Vögel. Es gibt aber nicht nur viele Vögel sondern auch jede Menge Mücken und der Mund bleibt geschlossen. Bis heute haben wir immer nur ganz vereinzelt Radreisende wie uns getroffen, hier auf dem Rhone-Radweg ist schon einige los. Alle freundlich und gut drauf; die können schon lachen, die haben die Regenwolke im Rücken.
Ab und zu halten wir an um ein Foto zu machen aber wir ziehen die 92 Kilomter in einem Rutsch durch und erreichen unser Tagesziel Montélimar bereits um halb eins. Das ist glaub ich mein persönlicher Rekord. Für das Check-in in unsere heutige Wundertüte ist es wohl noch etwas früh und wir stechen in das nahe gelegene „La Bottega“. Kaum setzen wir uns an den letzten freien Tisch, öffnen sich die Schleusen und es beginnt zu regnen. Wie haben wir das denn wieder hingekriegt, wir Glückspilze!
Während der leckeren Stärkung mit Salat und Pinsa erhalten wir den Zugangscode für die Wohnung. Es ist natürlich wieder der übelste Zugang in der Häuserzeile, aber das sind wir uns ja gewohnt. Während wir im engen Treppenhaus abpacken kommt eine ältere Dame mit Einkaufswagen die Treppe hinunter geholpert. Sie fragt, ob wir ins Airbnb wollen. Wir bestätigen und sie erklärt uns in verständlichem Französich, dass sie dort jetzt gerade sauber gemacht hat und die Böden halt noch feucht seien. Und sie gebe uns den Rat, die Fahrräder ans Treppengeländer anzuketten, hier werde alles geklaut. Ja das sind ja tolle Informationen. So kommen wieder mal alle Schlösser zum Einsatz, die wir dabei haben. Die Frau hatte recht, die Böden sind nicht nur feucht, sondern nass, aber man sieht gerade wo sie überall gewischt hat und das hat sie gut gemacht.
Die Wohnung im dritten Stock (ohne Lift) ist freundlich und löst nicht gleich einen Fluchtreflex aus. Das schätzen wir heute ganz besonders, da es draussen immer noch in Strömen regnet. Beim Spazieren durch die leergefegten Strassen von Montelimar entrinnen wir dem Regen in einer Bar. Die Tische sind vollgestellt mit Paketen in allen Grössen und Formen. Wir finden zuhinterst ein Plätzchen für unseren Apéro. Zuerst denken wir an eine grössere Warenlieferung an die Betreiber, aber die Chefin sortiert die Pakete und beschriftet alle feinsäuberlich mit Vor- und Nachnamen mit einem dickem Edding. Jetzt erst dämmert es uns, dass das eine Paket-Abhol-Station ist. Stimmt, wir sehen nirgends ausgelieferte Pakete vor irgendwelchen Eingängen stehen, vermutlich hat die Dame betreffend dem Klauen doch recht. Noch während wir unseren Apérol Spritz schlürfen sucht die junge Mitarbeiterin die uns bedient hat bereits das erste Paket raus. Da die Sortierung keinem erkennbarem System folgt, muss die Frau alle Pakete rauf und runter absuchen und das dauert natürlich bei so vielen Paketen. Vielleicht ein lukrativeres Geschäftsmodell, als die Tische für zahlende Gäste frei zu halten.
Montélimar gilt als Nougat-Hauptstadt und überall gibt es die wertvollen Leckereien zu kaufen. Heute sind aber nur wenige Läden geöffnet, vielleicht wegen der fehlenden Kundschaft aufgrund des Wetters. Auf jeden Fall ist heute noch weniger los als bei unserem letzten Besuch vor drei Jahren. Wir erinnern uns jedoch an das feine Essen von damals und gehen wieder ins L‘Artiste. Auch heute werden wir nicht enttäuscht, obwohl die Portionengrössen schon etwas an der oberen Grenze sind. Auf dem Heimweg klart es bereits wieder auf und morgen geht es hoffentlich ebenfalls trocken weiter.
Bricolage
wir waren es nicht
gelernt ist gelernt
ausfädeln
startklar
Port d‘Orange
Radweg „Via Vanaissia“
Blick zurück
etwas angenehmere Passagen als in La Ciotat
Bahnhofsgebäude
Ouvèze
Ouvèze
Festung Mornas
Entlang der Rhône
Entlang der Rhône
Kraftwerk
bei Viviers
Viviers
Mittagessen
nicht ganz so gefährlich heute
Paket-Annahmestelle Modell Restaurant
welches Paket könnte es sein
bitte, man hilft doch gerne
Massanfertigung
kein guter Tag für den Eisverkäufer
hier wohnen wir
der Himmel ist wieder klar
Fahrt auf Relive