Mittwoch, 10. Juni 2026
Tag 21
Dole - Besançon
61km 156HM
Wir können die Velos bequem in der grossen Wohnung packen und auf die Strasse schieben. Jeden Morgen ist es etwas kühler und heute sind es gerade noch 12°C in Dole. Der Himmel ist auch wieder bedeckt und heute kommen zum ersten Mal die langen Hosen zum Einsatz.
Die Cafés in der Region öffnen viel später als im Süden oder in Italien, meist erst um 8 oder 9 Uhr. Die kleine Boulangerie am Kirchplatz hat bereits um 8 Uhr offen und beim Bezahlen entdecke ich eine kleine, vollautomatische Kaffeemaschine hinter der Theke. Kurz darauf klingt es wie zu Hause, wenn die Haushalt-Kaffeemaschine das Mahlwerk auf Touren bringt.
Der Eurovelo 6 folgt heute abwechselnd dem Rhein-Rhône-Kanal und dem Doubs. Der im 18. Jahrhundert gebaute Kanal verbindet den Rhein mit der Saône, welche in die Rhône fliesst und ist Teil eines Binnenwasserweges der eine schiffbare Verbindungen zwischen Mittelmeer und Nordsee herstellt.
Am Wegrand entdecken wir wieder einen winzigen Fahrrad-Camper. Der Bewohner hat wohl gestern Abend am Strassenrand den Anker geworfen, die Positionslichter eingeschaltet und schläft vermutlich noch in seiner winzigen Koje. Angeschrieben ist die Aluminium-Kiste „Tiny Camper auf Weltreise“. Immer wieder erstaunlich, mit welchen fahrbaren Untersätzen die Welt bereist werden kann. Etwas weiter des Weges liegt ein Fahrradfahrer noch schlafend am Ufer des Kanals in seinem durchsichtigen Innenzelt.
Beim regelmässigen Überprüfen des Wetterradars stellen wir fest, dass das regenfreie Zeitfenster immer mehr schrumpft und uns der Regen von hinten einzuholen droht. Wir legen noch einen Zacken zu, aber es hilft nichts. Fünf Kilometer vor dem Ziel beginnt es doch zu regnen und wir erreichen Besançon noch vor dem Mittag. Das ist natürlich viel zu früh um einzuchecken obwohl ich die seitenlange Beschreibung und die Codes schon bekommen habe. Da der Schlüssel an einer anderen Adresse im Innern eines Hauses geholt werden muss, habe ich mich nicht dafür, einfach rein zu gehen. Ich kontaktiere die Vermieterin und frage, ob wir allenfalls die Räder bereits im Hof abstellen dürfen. Sie spricht nicht sehr gut Englisch und ich nicht gut Französisch aber irgendwie vereinbaren wir, dass ihr „Marie“ etwa in einer Stunde vor Ort sein wird. In einem nahen Restaurant wollen wir etwas kleines Essen und uns aufwärmen. Aber an den Nebentischen sind 10 Kinder mit 3 Betreuerinnen, die noch vor uns da waren und noch nichts bekommen haben. Der Output der Küche ist eher bescheiden und ich frage den Kellner wie lange man wohl auf das Essen warten müsste. Er meint schon eine halbe Stunde… So belassen wir es bei einem Getränk, denn wir wollen doch den Ehemann von Christine nicht verpassen. Im Regen stehend warten wir mal wieder auf einen Menschen, von dem wir nicht wissen wie er aussieht; fast wie beim Blind-Date - von weitem mustern, Blickkontakt, ja, nein, vielleicht. Irgendwann gibt es einen Match, er erkennt uns natürlich an der Ausrüstung. Wir dürfen nicht nur die Velos abstellen, das Studio ist bereits bezugsfertig. Es ist wunderbar schön warm und genüsslich futtern wir unser „Pain-au-raisin“ in der guten Stube.
Es bleibt uns Zeit Besançon zu Fuss zu erkunden, manchmal bei Sonnenschein, manchmal bei Regen, es wieder mal von Allem dabei.
Für das Nachtessen gehen wir in einen Fleischschuppen. Remo hatte in Frankreich schon wunderbares Fleisch gegessen, während ich eher skeptisch auf andere Gerichte ausgewichen bin. Hier gibt es keine anderen Varianten und da uns das 800g Côte de boeuf doch etwas viel erscheint nehmen wir das kleinere Entrecôte. Die gewünschte Garstufe ist optisch perfekt, aber das Stück Fleisch ist so zäh, dass es wirklich fast nicht zum Zerteilen ist. Es kommt mir eher vor, als wäre das Rind gestern noch frischfröhlich auf der Weide gestanden. Dann warte ich lieber und bestelle das nächste Stück Fleisch erst wieder auf dem Roggen, bei den Köchen meines Vertrauens.
abschliessen und los gehts
aber ohne Boulangerie geht gar nichts
Tiny Camper auf Weltreise
Velo Camper im Tiefschlaf
Déviation
Rennmaschine
Teamwork
am anderen Ende vom Schiffstunnel gibt es eine Schiffswäsche
Tunnel unter der Zitadelle für Fussgänger und Radfahrer
auch wir werden geduscht
endlich im Trockenen
Schule der Artillerie
Besançon
Blauer Himmel
Sightseeing
schon viel freundlicher
Fahrt auf Relive