Montag, 1. Juni 2026

Tag 12

Le Lavandou - La Ciotat

100km 700HM

Trotz beengendem Zimmer wird es schnell wieder morgen. Die Terrasse mit dem Veloständer ist gleich angrenzend zu unserem Balkon und nur durch ein paar Blumentröge getrennt. Noch während Remo die aufgeladenen Akkus montiert, nehmen schon die ersten Gäste neben den verstaubten Rädern Platz und frühstücken dort. Die Platzverhältnisse auf der Terrasse sind ähnlich eng wie im Zimmer, so wird das bestimmt lustig, zwischen den Hotelgästen die Velos wieder auszufädeln. Aber alle bleiben relaxed und sind sehr kooperativ. Auch die Chefin ist überfreundlich, vielleicht hat sie aus der schlechten Bewertung gelernt, die ihr letztes Jahr ein Gravel-Biker verpasst hat, weil sie angeblich unfreundlich ihm und seinem Bike gegenüber gewesen sei. 
 
Die insgesamt 110km lange Bahnstrecke die zwischen St. Raphaël und Toulon bis 1948 in Betrieb war - zumindest die Abschnitte, die nicht während dem Krieg zerstört wurden-  ist auch heute nochmals Teil unserer Route. Die Radwege sind super mit grüner Farbe markiert und man kann ihnen wirklich fast blind folgen. Sogar Umleitungen werden super markiert. Hier könnten die Italiener schon noch etwas aufholen. 
 
Nach La Londe-les-Maures fahren wir durch Salinenfelder wo es auch Flamingos geben soll, wir sehen zwar jede Menge Vögel, aber leider keine Flamingos. Bei Port Hyères fahren wir bis ganz an den südlichen Zipfel der Halbinsel Giens. In einem Restaurant mit Blick auf den Tour Fondue machen wir kurz Pause. Der Fondue-Turm hat nichts mit Käse zu tun, es ist ein Wehrturm aus dem 17. Jahrhundert. Auf einem Damm fahren wir wieder in nördliche Richtung. Rechts liegt der Étang des Pesquieres - immer noch kein Flamingo - und rechts ein wunderschöner kilometerlanger Sandstrand, der schon rege von Familien besucht wird. Die schöne Lage lädt uns ein, unser mitgebrachtes Menu 1 gleich hier zu verdrücken. 

Gestärkt gehts weiter nach Toulon, einer riesigen Stadt aber auch hier werden wir super an den stark befahrenen Hauptstrassen vorbei geleitet. Von Toulon fahren die grossen Fähren nach Korsika und Sardinien und wir werfen noch einen Blick in den Hafen. Dort steht auch ein riesiges Marine-Schiff, Toulon ist neben Brest der zweite Stützpunkt der französischen Marine. 

An einer Kreuzung nach Toulon werden wir Zeuge eines sehr heftigen Streits eines jungen Pärchens aus Deutschland. Sie sind ebenfalls mit Fahrrädern - Biobikes - und Gepäck unterwegs und offenbar hat eines der Räder eine Panne. Was genau los ist können wir nur erahnen aber die zwei decken sich so heftig und laut mit Vorwürfen ein, dass ich mir nicht sicher bin, ob sie die Reise gemeinsam fortsetzen werden. Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass mit Streiten noch keine Panne behoben werden konnte.

Zwanzig Kilometer vor dem Ziel machen wir in einer Bäckerei noch einen weiteren „Kaltes-Getränk-Stopp“. Denn es wartet noch ein Berg, mit immerhin 160 Höhenmetern. Remo futtert noch ein paar Fruchtgummis und weiter gehts bei grosser Hitze. Das ist Remos Terrain und er macht Tempo, so dass ich nicht mithalten kann und auf Turbo umzustellen lässt mir mein Kopf nicht zu. Oben angekommen finde ich in meinem Rucksack noch einen plattgedrückten, warmen Biber aus der Schweiz, wunderbar, der beste Biber ever! Vielleicht sollte ich mich in Zukunft auch mit Fruchtgummi und Orangina dopen. 

Wir erreichen La Ciotat und während wir noch auf dem Navi nach der genauen Adresse fummeln spricht uns ein Mann an, ob wir ihn suchen würden. Ähm, vielleicht, wenn er das Apartement vermietet das wir suchen. Genau so ist es, es ist Alessio und er zeigt uns unsere Loge für heute. Wir wohnen in einer eingezäunten Siedlung mit zweistöckiger Einstellhalle, die Wohnung im EG ebenfalls mit eingezäuntem Sitzplatz. 

Das Bier gibt es in einer etwas schmuddeligen Strandbeiz wo am Nebentisch ein junges Paar mit „optimierten“ Körpern ihre wichtigen Geschäfte per Telefon erledigen. Für ein Bier ist der Ort ok, essen würde ich hier nicht wollen. Uns fällt die grosse Polizei-Präsenz auf, zu Fuss, auf Fahrrädern, Motorrädern und auch im Auto patrouillieren sie mit kugelsicherer West die Strandstrasse rauf und runter. 

Im „La Rose Thé“ finden wir einen Tisch und wir essen vorzüglich. Remo zartes Tagliata und für mich ein Hühnchen mit raffinierter Sauce. So lässt es sich leben. 

jedem seinen Platz

Schaumbad gefällig?

Hyères

Strand von Le Lavandou

Strand von Le Lavandou

Pesquieres

Tour Fondue

Etang

Etang

Hafen von Toulon

Hafen von Toulon

Saint-Cyr-sur-Mer

wichtige Geschäfte

La Ciotat

La Rose Thé

ein bisschen Stil ist erwünscht

Wie Gott in Frankreich

La Ciotat